CHRISTINE’S KRAUT DES MONATS / JANUAR: FICHTE

Mittwoch 31. Januar 2018 Christine’s Kräuter- und Entspannungsecke


Tipps zur Anwendung von Fichte für Hausapotheke und Küche aus dem Alpengasthof Hörnlepass im Kleinwalsertal

Mit ihren weit ausladenden Ästen und den charakteristischen, herabhängenden Bartflechten steht sie prächtig und erhaben, ja fast ein wenig verträumt in unserer Natur. Die Fichte ist in den Bergwäldern des Kleinwalsertals überall anzutreffen und hat traditionell eine große Bedeutung für die Menschen. 

Was die Fichte alles kann und wie man sie wirkungsvoll in der Hausapotheke einsetzt, möchte ich Ihnen heute zeigen.

Die gemeine Fichte – Picea abies

Die Fichte – wegen ihrer rötbraunen Rinde auch häufig als Rottanne bezeichnet – gehört im Hochgebirge wie dem Kleinwalsertal, aber auch in ganz MItteleuropa zu dem weitesten verbreiteten Nadelhälzern. In Bergregionen kann die Fichte Wuchshöhen bis zu 60 Meter bei einem Stammdurchmesser von bis zu einem Meter erreichen und ihr Holz ist meist härter als das von Fichten, die im Flachland oder auf Plantagen wachsen. Das hat den Hintergrund, dass sich die Fichten in den Bergen mehr anstrengen müssen, da sie extremeren Wetterbedingungen ausgesetzt sind. Zudem ist die Wachstumsperiode in den Sommermonaten sehr kurz, was zu kleineren Jahresringen und damit zu mehr Stabilität führt.

Der Anblick der mächtigen Bergfichten lässt uns verstehen, warum die Fichte von unseren Ahnen als Schutzbaum verehrt wurde. Und das nicht nur im Bereich der Lawinenprävention in steilen Berglagen. In der Mythologie symbolisiert die Fichte das schützende weibliche Element und ist ein Lebens-, bzw. Mutterbaum, der den Menschen Krankheiten abnehmen kann.

So hat man früher etwa Fichtenharz als natürlich Pflaster verwendet. Die Baumflechten wurden gesammelt, um aus ihnen Fußbäder zur Behandlung von Schweißfüßen zu machen.

Die Heilkräfte der Fichte ähneln weitgehend denen der Tanne und so sind auch die Anwendungsmöglichkeiten vergleichbar. Bereits der Pfarrer Kneipp setzte die herrlich duftenden Fichtenbäder gerne aufgrund ihrer durchblutungsfördernden, schleim- und hustenlösenden Wirkung zur Behandlung seiner Patienten ein. In seinen Aufzeichnungen warnt er jedoch vor zu häufigem Einsatz von Fichtenbädern und empfiehlt nicht mehr als eine Anwendung pro Woche.

Ich persönlich finde es sehr schade, dass dieses alte Wissen rund um die Heilkräfte der Pflanzen heute weitgehend verloren gegangen ist und sich die Menschen so sehr von der Natur entfernt haben. Oftmals reicht ein Gang in den Garten oder in den Wald, um kleine Beschwerden wirkungsvoll behandeln zu können. Deshalb möchte ich auf diesem Blog einen Anstoß geben, sich mehr mit Pflanzenheilkunde zu befassen und das alte Wissen wieder aufleben zu lassen. 

Doch nicht nur in der Hausapotheke ist die Fichte vielseitig einsetzbar, sondern auch in der Küche, wie die beiden folgenden Rezepte zeigen.

Rezept für Fichtenspitzen-Salz

Die Zutaten: 

  • 1 Hand voll im Mai und Juni gesammelter Fichtentriebe (die Triebe sollten etwa 2-3 cm lang sein) 
  • 1 Teelöffel Pfefferkörner
  • 100 Gramm Meersalz
  • ½ Teelöffel Zucker

Die Zubereitung: 

Die Fichtentriebe fein hacken und den Pfeffer mörsern. Anschließend Zucker und Salz dazugeben und alles nicht zu fein mahlen.

Diese Masse nun in ein Glas mit Schraubverschluss abfüllen und im Kühlschrank eine Woche durchziehen lassen.

Nach dieser Woche die Masse auf Backpapier dünn aufstreichen und im Backofen bei 50 °C trocknen lassen und dabei öfters durchmischen

Das Salz eignet sich ideal zu Pilz- und Wildgerichten sowie zu Salaten und Gemüse.

Rezept für Fichtenspitzen-Sirup

Die Zutaten:

  • 1 l Fichtenspitzen
  • 1 kg Rohrzucker oder Kristallzucker
  • 2 l Wasser

Die Zubereitung: 

Die Fichtenspitzen im Waser 1 Stunde leicht köcheln und danach noch eine halbe Stunde mit Deckel ziehen lassen. 

Anschließend filtern, mit dem Zucker aufkochen und noch etwa eine Stunde bei schwacher Hitze unter ständigem Rühren eindicken lassen.

Wenn die typische Sirup-artige Konsistenz erreich ist, heiß in Flaschen abfüllen und etikettieren.

 

Lassen Sie sich das Salz und den Sirup schmecken. 

Ich könnte noch so vieles über unsere Fichten erzählen, werde mich aber nun mal zügeln, um den Rahmen dieses Blogartikels nicht zu sprengen.  Vielleicht mache ich demnächst ja mal wieder einen Beitrag zur Fichte. Wir werden sehen.

Liebe Grüße 

Ihre Christine Keck

Die Anwendung von Heilkräutern ersetzt nicht den Arzt. Die Kräuter sollen weder die Schulmedizin ersetzen noch zur Selbstbehandlung bei Erkrankungen auffordern. Bitte begeben Sie sich bei den geringsten Anzeichen einer Erkrankung in die Hände eines Arztes. Wir übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch die beschriebenen Anwendungen und Informationen entstehen können. Anwendungen erfolgen ausdrücklich auf eigene Gefahr und Verantwortung. Für die Richtigkeit oder Vollständigkeit können wir keine Gewähr übernehmen.

Foto: Kleinwalsertal Tourismus eGen I www.kleinwalsertal.com I Oliver Farys

Christine’s Kräuter- und Entspannungsecke

Servus! In diesem Bereich möchte ich mein Wissen rund um Bergkräuter und Heilpflanzen mit Ihnen teilen. Zudem finden Sie hier hilfreiche Tipps zur Entspannung - für den Urlaub und für den Alltag. Ich freue mich auf spannende Diskussionen. 


Ihre Christine Keck